23-Nov-2019 Wie veröffentliche ich ein Buch?

Das Schreiben & Erzählen. Interview

schreiben

Hallöchen Popöchen! Ich habe mich vor ein paar Wochen an einem sonnigen Vormittag mit dem lieben Jan von “vommontagskind” für ein Interview getroffen. Er schreibt gerade eine Arbeit & brauchte dafür noch einen Interview-Partner, wofür ich mich dankend zur Verfügung stellte. Uns beide verbindet das Schreiben, die Welt der Wörter ist unser Zuhause & Kaffee ist selbstverständlich auch eine grosse Gemeinsamkeit! Man könnte meinen, in unserem Körper fliesst kein Blut sondern Cappuchino lol. Es geht in diesem Interview aber nicht explizit um meine Bücher, sondern um die Art des Schreibens & meine Vorgehensweise beim Schreiben an sich. Ich dachte mir, dass sich dieses Interview ganz gut für einen Blogpost eignen würde & hier ist er auch schon. Viel Spass!

schreiben
schreiben
schreiben
schreiben
Bluse – Secondhand, Shorts – Chicoree

Welche Perspektive bevorzugst du beim Schreiben?

«Für mich ist die Ich-Perspektive am einfachsten, weil man nur von einer Person aus schreiben muss. In diesem Fall kann die Hauptperson gewisse Situationen gar nicht mitbekommen, weil ich ja nur aus ihrer Perspektive schreibe & genau so geht es auch dem Leser. In der Erzähler-Perspektive wüsste der Leser aber mehr als die Hauptperson, weil er die Situationen & Unterhaltungen von anderen Charakteren mitbekommt. Mit der Ich-Perspektive kann ich meine Geschichte einfach besser strukturieren & alles wieder bei der Hauptperson zusammenführen. Ich muss nur beschreiben, was die Hauptperson wahrnimmt oder denkt & der Leser erfährt auch erst dann von gewissen Geschehnissen in der Geschichte, wenn es die Hauptperson erfährt. Ich spiele sehr gerne mit der Spannung & mit den Vermutungen von meinen Lesern!»

Wusstest du von Anfang an, dass du die Ich-Perspektive wählen wirst?

«Ja, das habe ich unbewusst & auch ganz ohne Zweifel so umsetzen wollen. Das Weitergeben einer Botschaft oder von Gedankengängen hätte in einer anderen Perspektive nicht denselben Effekt wie in der Ich-Form. Sie kann die Emotionen für den Leser – meiner Meinung nach – nachvollziehbar & auch viel greifbarer machen. Das ist mir bei meinen Büchern aufgefallen & beim damit verbundenen Feedback. Wenn ich z.B. schreiben würde: “Sie fühlte sich so alleine”, vermittelt das eine ganz andere Emotion, wie wenn ich schreibe: “ich fühlte mich so alleine”. Die Formulierung “ich” lässt den Leser an sein eigenes Leben & an seine eigenen Gefühle denken. Er verbindet sein Leben mit der Geschichte & das möchte ich mit meinen Büchern erreichen. Ich denke, dass das auch einen Grossteil meines Schreibstils ausmacht, vielleicht sogar so was wie ein Wiedererkennungswert.»

Deine AHA-Momente?

«Wenn man plötzlich merkt, dass alles Sinn macht! Das sind eindeutig die grössten & schönsten AHA-Momente. Die Geschichte hat einen roten Faden, die Message ist gut verpackt & verständlich, die Ereignisse passen zusammen & die Charaktere sind richtig eingesetzt. Man geht im Kopf alles nochmal durch & spürt einfach, dass es fertig ist. Es ist wirklich ein Gefühl, was man hat wenn es soweit ist.Ich muss mir alles (Emotionen, Mimik & Gestik, Handlungen usw.) bildlich vorstellen können. Wenn die Geschichte auch ein guter Film wäre, dann bin ich zufrieden!»

Hast du fürs Schreiben bestimmte Vorbereitungen getroffen?

«Ich habe einfach angefangen zu schreiben. Wie ich genau vorgehe, könnt ihr in diesem Beitrag nachlesen. Ich treffe aber schon einige Vorbereitung, was die Gliederung der Geschichte betrifft. Ich möchte z.B. nicht, dass vier Seiten hintereinander nur Unterhaltungen & Dialoge stattfinden. Dazwischen verwende ich sehr gerne Beschreibungen, Beobachtungen oder Gedankengänge & beziehe die Umgebung mit ein. Die Ich-Perspektive war in meinen Schreibprozessen aber nicht bewusst gewählt – im Gegenteil. Ich hätte sogar bewusst darauf achten müssen, nicht in die Ich-Perspektive zu rutschen. Man merkt wirklich sehr schnell, in welcher Perspektive man sich am besten ausdrücken kann.»

Gibt es die Ich-Perspektive auch wieder beim neuen Buch?

«Ja, das auf jeden Fall! Die Ich-Perspektive liegt mir einfach & das muss oder will ich auch gar nicht ändern. Aber ich muss leider zugeben, dass ich mich beim dritten Buch etwas schwer tue. Langsam kann ich mich zwar von den beiden ersten Büchern lösen, aber plötzlich etwas komplett Neues aus den Ärmeln zu schütteln ist nicht so einfach – besonders, wenn man sich so lange mit derselben Story & den Charakteren befasst hat. Die Ich-Perspektive hilft mir sehr dabei, die gewollte Ehrlichkeit & Offenheit auf Papier zu bringen. Deswegen ist mein persönliches Empfinden auch sehr entscheidend, denn so wie ich mich fühle schreibe ich.»

Wechselst du manchmal die Perspektiven beim Schreiben?

«Das kommt auf den Inhalt an. Geht es um ein Buch? Einen Blog? Einen Zeitungsartikel? Eine Produktbeschreibung? Eine Anleitung? Einen Werbeslogan? Das sind alles wichtige Faktoren, an welche man den Schreibstil & die Sprache anpassen muss. Bei meinem Blog z.B. sind es persönliche Beiträge & da macht es keinen Sinn, wenn ich in der dritten Person schreiben würde. Bei einem Zeitungsartikel hingegen, können beide Perspektiven zum Einsatz kommen & da ist ein Wechsel auch für den Leser nachvollziehbar. Bei meinen Büchern hingegen wäre ein Perspektiven-Wechsel ziemlich verwirrend & unlogisch. Es sind ja auch mehrere Ich-Personen in einer Geschichte möglich, die dann durch Absätze getrennt werden & auch eine Mischung von beiden Perspektiven kann ein geniales Leseerlebnis sein. Man muss einfach den Aufbau des Buches dementsprechend anpassen, weil es die Leser sonst verwirren könnte.»

Wie wirken die Erzähl-Situationen auf die Leser? Gibt es da eine Regel?

«Das Wichtigste ist für mich persönlich, dass die Botschaft rüberkommt – oder wenigstens irgendeine Botschaft. Die Perspektive zeigt eigentlich nur auf, wie man etwas sagen will. Das Was bleibt dasselbe. In der Erzähler-Perspektive können alle Informationen geteilt werden, bevor es die Charaktere untereinander erfahren. Der Leser weiss oft mehr als die Charaktere, was natürlich auch sehr spannend sein kann. Man begleitet nicht einen Charakter, sondern gleich mehrere oder sogar alle. Ich als Auto kann dadurch viele Situationen oder Ereignisse schneller erklären & die Zusammenhänge einfacher aufzeigen. Jeder muss aber selbst entscheiden, was für seine Story am Besten geeignet ist. Die Erzähler-Form, die Ich-Form, eine Mischung von beiden – für mich persönlich ist die einzige Regel, dass man bei einer dieser Varianten bleibt.»

Hier findet ihr Interviews zu meinen Büchern mit Feedback, Gedankengängen & Vermutungen von meinen Lesern!

Satzbau, Perspektiven, Konstruktion… hast du da Tipps für zukünftige Autoren?

«Man kann das Schreiben schon lernen, aber irgendwie auch nicht – verstehst du was ich meine? Es ist etwas sehr persönliches, wie z.B. Singen oder Zeichnen. Das sind Dinge, die einfach aus einem rauskommen – so wie sie sind. Ausserdem ist auch alles Geschmacksache & es gibt kein richtig oder falsch. Deshalb ist das auch mein erster Tipp; lasst euch niemals verunsichern. Das Einzige was ihr braucht, ist Interesse an dem was ihr tut & natürlich eure Individualität. Ihr könnt z.B. einen Schreib-Kurs besuchen, um euren Schreibstil weiterzuentwickeln oder um euren Wortschatz zu verbessern/vergrössern. Es gibt auch online viele Möglichkeiten, um sich mit Gleichgesinnten auszutauschen. Wenn ihr euch mit dem Inhalt eurer Geschichte schwertut, könnten euch auch gewöhnliche, altmodische Notizen weiterhelfen. Ich z.B. schreibe mir immer sofort jeden “guten” Gedanken auf, weil diese “Erleuchtungen” meistens ganz unerwartet im Alltag stattfinden & genau so schnell verschwinden wie sie gekommen sind – ich spreche aus Erfahrung. Ihr benötigt nur Inspiration, um schreiben zu können & die kommt nicht, wenn ihr am Laptop sitzt & stundenlang auf das leere Textdokument starrt. Ein weiterer Tipp ist, dass ihr euch nicht unter Druck setzen dürft – nicht von anderen & auch nicht von euch selbst. Denkt daran: Druck ist der Inspirations schlimmster Feind! Klingt fast so, als hätte das einst eine sehr wichtige & weise Persönlichkeit gesagt lol.»

Dann schütte ich mir Kaffee auf meinen Mantel…

Vielen Dank lieber Jan, dass ich ein Teil von deinem Schulprojekts sein darf & du mein furchtbares Gesicht ertragen konntest, während ich mein schmieriges Schokoladen-Croissont gegessen habe. Ich freue mich schon auf unser nächstes Treffen & natürlich auch auf deine nächsten Werke. Danke für deine Zeit & deine Unterstützung!


Jans Feedback zu meinen Büchern:
trauriges Happy-End” & “mutige Feiglinge” , schaut gerne vorbei. Bestellen könnt ihr sie hier!

2 Kommentare zu “Das Schreiben & Erzählen. Interview

Hau' in die Tasten!

English EN French FR German DE Italian IT