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Das Schreiben & Erzählen | Interview

Ich habe mich vor ein paar Wochen an einem sonnigen Vormittag mit dem lieben Jan von “vommontagskind” für ein Interview getroffen. Uns verbindet das Schreiben, die Welt der Wörter & natürlich auch Kaffee! Aus diesem Grund haben wir uns auch gleich in ein süsses Café gesetzt, damit mir Jan ungestört seine Fragen stellen konnte. Aufgeregt war ich nicht, weil das Interview eher einem entspannten & offenen Gespräch unter Freunden glich. Es ist schön, wenn man Menschen mit derselben Leidenschaft in seinem Umfeld hat. Aus diesem Grund möchte ich euch heute gerne einen kleinen Einblick gewähren. Es geht im Interview nicht explizit um meine Bücher, sondern um die Art des Schreibens. Viel Spass!

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Bluse – Secondhand | Shorts – Chicoree’19

Welche Perspektive bevorzugst du beim Schreiben?

«Für mich ist die Ich-Perspektive fast am einfachsten, weil man einfach nur vor einer Person aus schreiben muss. In diesem Fall kann die Hauptperson nämlich gewisse Dinge gar nicht mitbekommen, weil ich nur aus ihrer Perspektive schreibe & genau so geht es auch dem Leser. In der Erzähler-Perspektive jedoch wäre das nicht so. Der Leser wüsste dann mehr als die Hauptperson, weil er die Situationen von anderen Charakteren mitbekommt. Dadurch kann ich meine Geschichte besser strukturieren & alles wieder bei der Hauptperson zusammenführen. Dann widme ich mich anderen Perspektiven & Gedanken, die dann von der Hauptperson erklärt oder ausgeführt werden. Der Leser erfährt also auch erst dann von gewissen Geschehnissen in der Geschichte, wenn es die Hauptperson erfährt. Ich spiele sehr gerne mit der Spannung & mit den Vermutungen von meinen Lesern!»

Wusstest du von Anfang an, dass du die Ich-Perspektive wählst?

«Ja, das habe ich unbewusst & ohne Zweifel so umsetzen wollen. Das Weitergeben einer Botschaft oder Gedankengängen hätte in einer anderen Perspektive nicht denselben Effekt wie in der Ich-Form. Sie macht, meiner Meinung nach, die Gefühle erst so richtig nahbar für den Leser. Wenn ich z.B. schreiben würde: “Sie fühlte sich so alleine”, vermittelt das eine ganz andere Emotion, wie wenn ich schreibe: “ich fühlte mich so alleine”.»

Deine AHA-Momente?

«Wenn man plötzlich merkt, alles macht Sinn! Die Geschichte hat einen roten Faden, die Message ist gut verpackt & verständlich, die Ereignisse passen zusammen & die Charaktere sind richtig eingesetzt. Plötzlich weiss man, es ist fertig. Man sieht die Story wie ein Film & geht im Kopf alles noch einmal durch. Wenn die Geschichte ein guter Film wäre, dann bin ich zufrieden!»

Hast du fürs Schreiben bestimmte Vorbereitungen getroffen?

«Ich habe einfach angefangen zu schreiben. Wie ich genau vorgehe, könnt ihr in diesem Beitrag nachlesen. Die Ich-Perspektive war nicht einmal bewusst von mir gewollt – im Gegenteil. Ich hätte mich sogar bewusst darauf konzentrieren müssen, nicht in die Ich-Perspektive zu rutschen. Es hat sich einfach so ergeben & ich habe es beibehalten. Man merkt manchmal sehr schnell, in welcher Perspektive man sich am besten ausdrücken kann.»

Gibt es die Ich-Perspektive auch wieder beim neuen Buch?

«Ja, das auf jeden Fall. Ich muss sagen, dass ich mich beim dritten Buch etwas schwer tue. Langsam kann ich mich von den beiden ersten Büchern lösen, aber es ist schwierig plötzlich etwas komplett Neues aus den Ärmeln zu schütteln – besonders, wenn man sich so lange mit derselben Story & den Charakteren befasst hat. Die Ich-Perspektive hilft mir sehr dabei, die gewollte Ehrlichkeit & Offenheit mit einzubringen. Bei Beschreibungen & Dialogen passt das für mich besser als die Erzähler-Perspektive.»

Wechselst du manchmal die Perspektiven beim Schreiben?

«Das kommt auf den Inhalt an. Bei meinem Blog z.B. sind es persönliche Beiträge & da würde es jetzt keinen Sinn machen, wenn ich in der dritten Person schreiben würde. Bei meinen Büchern ist ein Wechsel verwirrend & unlogisch, hier müsste man sich also schon für eine Form entscheiden.»

Wie wirken die Erzähl-Situationen auf die Leser? Gibt es da eine Regel?

«Ich denke, dass wichtigste ist immer, dass eine Botschaft rüberkommt. Die Perspektive entscheidet nur, wie man etwas sagen will. In der Erzähler-Perspektive (Dritte Person) können alle Informationen geteilt werden, bevor es die Charaktere untereinander erfahren. Der Leser ist somit einen Schritt weiter & das ist in der Ich-Perspektive nicht der Fall. Nun muss sich der Autor entscheiden, welche Variante für seine Story passt. Bei Werbetexten ist es wieder etwas anderes & es hängt viel von der Interpretation ab. Die Leser sowie die Kunden benötigen aber immer eine Linie, an welcher sie sich orientieren können.»

Satzbau, Perspektiven, Konstruktion… hast du da Tipps für zukünftige Autoren?

«Man kann das Schreiben zwar lernen, aber irgendwie auch nicht. Es ist etwas sehr persönliches, wie z.B. Singen oder Zeichnen. Das sind Dinge, die einfach aus einem rauskommen, so wie sie sind. Klar kann man sich anpassen & weiterentwickeln, aber ein gewisser Zugang muss vorhanden sein. Was auf jeden Fall hilft sind Notizen! Ich habe immer etwas zum Schreiben dabei, damit ich jeden Gedanken sofort aufschreiben kann. Oftmals hat man nicht dieselben “Erleuchtungen”, wenn man am Laptop sitzt & stundenlang auf das leere Textdokument starrt. Das liegt daran, dass man zum Schreiben Inspiration benötigt & die findet man im Alltag!»

Dann schütte ich mir Kaffee auf meinen Mantel…

Vielen Dank lieber Jan, dass ich ein Teil deinen Schulprojekts sein darf. Es ist toll, dass sich aus unserer gemeinsamen Leidenschaft eine Freundschaft entwickeln konnte & ich das Schreiben mit jemandem teilen darf. Ich freue mich schon auf unser nächstes Treffen & natürlich auch auf deine nächsten Werke!! Danke für deine Zeit & deine Unterstützung!


Jans Feedback zu meinen Büchern:
trauriges Happy-End” & “mutige Feiglinge” , schaut gerne vorbei. Bestellen könnt ihr sie hier!

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